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06 JUL 2020

Wer nicht quer denkt verpasst das Beste

Querdenker – sie sind wie die unbequeme Wahrheit, die dem Team bei der Arbeit ins Ohr flüstert (oder auch schreit), dass es anders gehen könnte. Und mit anders ist in erster Linie oft „besser“ gemeint, allerdings auch hin und wieder nicht ohne Risiko.

Wer die Strukturen und eingefahrenen Abläufe in seinem Unternehmen auf die Probe stellt, hinterfragt und einmal durch den Ideen-Fleischwolf dreht, der trifft vielleicht nicht immer auf offene Türen. Genau das kann allerdings den frischen Wind bedeuten, den Mitarbeiter wie auch Vorgesetzte brauchen und nutzen sollten, um langfristig eine flexible Arbeitsweise aufzubauen. Gegenstimmen und Ideen für Projekte müssen berücksichtigt werden damit ein Unternehmen wettbewerbsfähig bleibt.

Gleich und Gleich gesellt sich gern

Das fängt bereits bei der Rekrutierung neuer Mitarbeiter an – noch bevor man sich den vermeintlichen „Querdenker“ ins Boot holt und mit diversen Parolen im Job-Reiter der eigenen Website ein aufgewecktes, ideenreiches und innovatives Teammitglied sucht. In den meisten Fällen neigen Unternehmen aber auch heute noch dazu sich Mitarbeiter auszusuchen, die zur bisherigen Philosophie und Teamgestaltung passen. Dadurch wird die homogene Aufstellung intern immer wieder durch die gleiche Zufuhr von außen bestärkt. Diese Auswahl ist insofern sinnvoll, als dass sie sich dem geringsten Widerstand gegenüberstehen sieht. Eine Integration und Zusammenarbeit gleichdenkender Mitglieder verläuft wesentlich harmonischer und der Arbeitsprozess wird weniger gestört. Gleichgesinnte Gruppen entscheiden schneller und führen zielgerichteter Projekte durch, was für die etablierten Abläufe von Vorteil ist. Allerdings schließt eine solche Orientierung jegliche Kritik, fremde Sichtweisen und neue Impulse schon von vornherein aus. Das führt dazu, dass der Ideen- und Innovationspool solcher Gruppen auf Dauer sehr begrenzt ist und einen Nachteil gegenüber konkurrierenden Mitspielern auf dem Markt darstellt.

Die Suche nach dem Chamäleon

Die Angst, mit etablierten, bis dato funktionierenden Abläufen zu brechen scheint auf den ersten Blick nachvollziehbar. Ganz im Sinne von „If it ain’t broke, don’t try to fix it“ werden Denk- und Verhaltensformen, die in der Vergangenheit einer Kultur erfolgreich waren, von Generation zu Generation als „richtig“ weitergegeben, wie Ariane Berthoin Antal erklärt. Unbeachtet bleibt dabei, dass die Umgebung, in der diese Verhaltensweisen angewandt werden, sich in einem ständigen Wandel befindet und somit eine genauso anpassungsfähige und flexible Umgangsweise fordert. Das Unternehmen muss sich wie ein Chamäleon immer wieder neu erfinden können, das geht nur, wenn man ein solches Chamäleon in der eigenen Aufstellung integriert. Doch auch, wenn die verschiedenen Ebenen in einem Unternehmen Umstrukturierungen und Personalwechsel erfahren, so garantiert das bisherige präferierte Einstellungsverhalten eine kontinuierliche Einhaltung der Wertevorstellungen. Die Gesichter ändern sich, die Abläufe bleiben bestehen.

Wenn dann letztlich mit diesen Abläufen gebrochen wird und ein Unternehmen die Suche nach dem einen oder anderen Querdenker für verschiedene Positionen eröffnet, sollte es nicht nur offen für die verschiedenen Ansätze und Denkanstöße sein, sondern auch für die Möglichkeit, Fehler zu machen. Genau das, was die meisten auf persönlicher wie auch auf professioneller Ebene eher verhindern wollen, kann dazu führen, dass man über den Weg von „trial and error“ unpassende Optionen weitgehend ausschließt und über mehrere Versuche auf eine potentiell erfolgreichere Lösung stößt.

Effizienter Rollentausch

Dabei reicht es auch nicht, ein querdenkendes Chamäleon für das gesamte Unternehmen einzustellen. Jede Ebene und jede Abteilung brauchen Personen, die über das „Gewöhnliche“ mit ihren Fragen und Ideen hinausgehen. Denn viele Ideen entstehen erst aus einem Diskurs heraus, der umso agiler und flexibler wird je mehr gegensätzliche Meinungen und Persönlichkeiten aufeinanderstoßen – vorausgesetzt, es wird im Kern das gleiche Ziel verfolgt. Um das erreichen zu können, müssen Unternehmen beim Einstellen geeigneter oder herausfordernder Kandidaten über den bisherigen Tellerrand schauen und weiter denken, als nur bis zum klassischen Lebenslauf. Querdenker können auch Quereinsteiger sein, Künstler für das Management und Manager im kreativen Bereich des Unternehmens. Ist eine Abteilung oder ein größerer Zweig des Unternehmens vorwiegend mit sich ähnelnden Mitarbeitern aufgestellt, lohnt es sich einen Sparringpartner aus einem gegengesetzten Bereich hinzuzufügen. Es darf aber nicht um die reine Quotenerfüllung für Minderheiten im Unternehmen gehen, wie beispielsweise Frauen, Mitarbeiter unterrepräsentierter Ethnizität oder Mitarbeiter mit Behinderungen. Querdenker oder Quereinsteiger müssen auch richtig abgeholt und eingesetzt werden. Nur die wenigsten Firmen bieten ihren potentiellen Mitarbeitern auch die organisationskulturellen Bedingungen, die es benötigt, um von ihnen zu lernen und ihre Ideen in den Arbeitsablauf und Entwicklung zu integrieren.

Querdenker quer-gefunden

Letztlich gibt es viele Möglichkeiten, den Ideenpool des Unternehmens durch Querdenker zu öffnen und zu erweitern. Die bereits genannten Quereinsteiger aus anderen Bereichen einzustellen ist eine gute Praktik, die je nach Fachgebiet leicht zu nutzen ist. Es kann aber auch helfen, die Anforderungen und Aufgabenbereiche in Ausstellungsschreiben weniger eng zu definieren, um eine größere Reichweite zu schaffen und potentielle Querdenker anzusprechen. Flexiblere Arbeitsmodelle sind darüber hinaus eine weitere Möglichkeit, attraktiver für ansonsten unerreichte Mitarbeiter zu werden. Das kann sich in Arbeitsstundenmodellen äußern oder auch durch unabhängige Arbeitsörtlichkeit erreicht werden – je ungebundener und flexibler das Unternehmen, desto freigeistiger und offener auch die Mitarbeiter.